Dmitri Dragilew, liest aus dem Lyrikband "Alle Anzeichen der Liebe"

Dmitri Dragilew,
liest im Stadtpark Wilmersdorf in Berlin (gesamte Lesung 10'30 min >>)
aus dem Band "Alle Anzeichen der Liebe", Moskau, 2008

аnschaulicher als ein absatz
westlicher im ausgedehnten
und vielschichtigen wie das polarlicht jalousien oder sparbüchsenklimpern
das nicht arbeitsbedingt sondern versehentlich zum frühstück servierte
bahnhofsgebäude des geschlossenen flughafens „Spilve“*

wie ein mürrischer kauz ausstaffiert mit der toga des kellners im keller
von allen vergessener wächter jenseits der bonus-riemen
fragt die passanten was sie herumlungern hier zum waldschrat
nochmal die alte wattierte jacke ersehnt den schneider

sakramentaler knacker der sonneblumenkerne unter geschäftsstuck
städtische ligaturen formieren auch eine art hochgleisgewölbe.
mal einfach im querschnitt die anzahl der flüge mit den arbeitstagen
malnehmen mit dem vergeblichen argwohn eines beliebigen ölgötzen

du bist wie er im grunde nur ein streuner in scheunen
eine absolut nichtssagende definition
händedruck wärmt den eng stehenden knorpel
gezogen auf dem beet des eigenen saluts

doch der flughafen reisst sich von der kette zum piepsen
zum neid oder zur freude der radare die das maul aufreissen
als fliegerformation der träume angehängt
bleigläserne flügelchen der libellenarten
Nachdichtung aus dem Russischen von Hendrik Jackson
*Anmerkung: Flughafen in Riga

- Berlin 2019

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